Der Kampf gegen immer weniger Stände

Zwei Bieler Stadträte haben eine Petition lanciert, die den Monats- und Wochenmarkt in die Fussgängerzone zurückbringen soll. Derweil schieben sich die Stadt und die Marktbetreiber die Schuld über die missliche Lage zu.

Jeweils am Samstag ist Märit. Das ist in vielen Städten so. Auf dem samstäglichen Bieler Wochenmarkt hatten Märitbesucher bisher die Wahl zwischen 20 Ständen. Doch seit der Markt von der Nidaugasse auf den Neumarktplatz ziehen musste, bietet sich zum Wochenendauftakt ein ziemlich trostloses Bild: Genau vier  Marktstände sollen letzten Samstag ihre Ware noch feilgeboten haben.

Ähnliches auf dem Monatsmarkt von letztem Donnerstag: Gerade einmal 14 Marktstände waren auf dem Neumarktplatz noch zugegen. «Dieser Markt zählte bisher zwischen 50 und 70 Ständen», sagt Peter Höltschi vom Schweizerischen Marktverband Sektion Bern-Biel.

Wie ist es so weit gekommen? Anfang Jahr hatte der Bieler Gemeinderat verkündet, dass der Markt von der Nidaugasse an den Neumarktplatz ziehen soll. Seinen Entscheid fällte er aufgrund einer Beschwerde der Vereinigung City Biel-Bienne und des Nidaugassleists: Diese hatten unter anderem moniert, dass der Markt die Schaufenster in der Nidaugasse verstelle. Eine Beschwerde des Schweizerischen Marktverbands und mehreren Marktfahrern gegen den Entscheid hatte das Regierungsstatthalteramt im Frühling abgelehnt (das BT berichtete).

«Seither hat sich der Markt praktisch aufgelöst», sagt Höltschi. «Es fehlt an Passanten, der Umsatz bei den Marktfahrern ist massiv eingebrochen, sodass sich die meisten entschieden haben, gar nicht mehr nach Biel zu kommen.»

Märkte: Immer im Zentrum
Höltschi, der Textilien und Hängematten aus Südamerika verkauft, ist mit seinem Stand an 300 Markttagen und an 40 verschiedenen Märkten in der ganzen Schweiz präsent. Von Glarus bis ins Oberwallis, von Basel bis Luzern seien die Märkte immer in der Fussgängerzone im Zentrum angesiedelt. «So etwas wie in Biel habe ich nirgends sonst erlebt.»

Unterstützung erhält er nun von zwei Bieler Stadträten. Mohamed Hamdaoui (PS) und Sandra Schneider (SVP) haben die Petition «Der Märit zurück in die Fussgängerzone!» lanciert. «Die Situation der Marktfahrer auf dem Neumarktplatz ist unhaltbar und beschämend», sagt Hamdaoui. Mit der Petition fordere man den Bieler Gemeinderat auf, seinen Entscheid aufzuheben.

Die Marktfahrer sollen ihre Produkte wieder im Stadtzentrum, namentlich in der Fussgängerzone, verkaufen dürfen. Laut Hamdaoui seien schon zahlreiche Unterschriften gesammelt worden. «Der Rückhalt der Bevölkerung gegenüber dem Märit ist gross.» Hilfe erhält er ebenso von der Grünen Stadträtin Myriam Roth. Mit einem Postulat verlangt auch sie, dass der Markt wieder zurück ins Zentrum verlegt wird.

Laut Höltschi habe letzte Woche ein Gespräch zwischen Behördenvertretern und Marktfahrern stattgefunden, um die Sache zu besprechen. Höltschi sagt, die  Stadt habe ihnen versichert, dass man den Markt nicht zerstören wolle. Er behauptet sogar, es sei ihnen von Seiten der Direktion Soziales und Sicherheit in Aussicht gestellt worden, dass der Markt wieder ins Zentrum ziehen darf. Vielleicht sogar in die Nidaugasse?

Biels Sicherheits- und Sozialdirektor Beat Feurer (SVP) winkt ab: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Markt wieder in die Nidaugasse zurückkehrt. Entscheiden wird das aber am Ende der Gemeinderat.» Der Ball liege aber bei den Vertretern des Schweizerischen Marktverbandes. «Sie sind nicht zufrieden mit dem neuen Standort: Wir erwarten deshalb, dass sie eigene Ideen entwickeln, wie es weitergehen soll.»

Punkto alternativer Standorte für den Markt gibt es laut Feurer Ideen wie den Zentralplatz, die Dufourstrasse oder die Marktgasse. Die Initiative müsse aber von den Markfahrern kommen. «Sie wussten schon lange, dass sie in der Kritik stehen und zügeln sollen, sie hätten es also in der Hand gehabt, rechtzeitig ein neues Konzept auszuarbeiten.»

Vom Versprechen, den neuen Standort zu bewerben, ist die Stadt abgekommen. «Wenn die Marktfahrer über den Standort klagen, ist es unglaubwürdig, wenn wir Werbung dafür machen.»

Geschäfte sind zufrieden
Und wie geht es den  Geschäften an der Nidaugasse? Laut dem Präsident des Nidaugassleists, Peter Schmid, sei man zufrieden. «Wir haben keinen Stände mehr vor den Schaufenstern oder Autos, die während des Abendverkaufs in die autofreie Nidaugasse hineinfahren.» Schmid ist der Meinung, dass es an den Marktfahrern liegt, ihren Markt für die Besucher genug attraktiv zu machen, dass sie ihn auch anderswo besuchen.

Quelle: Deborah Balmer, Bieler Tagblatt

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