Bahnhofplatz – wie weiter?

Der Bieler Stimmbürger schickte vor zwei Jahren das Projekt für die Neugestaltung des Bahnhofplatzes bachab. Passiert ist seither nichts, dabei besteht dringender Handlungsbedarf.

Der 8. März 2015 und der 28. Februar 2016 werden dem Bieler Stadtrat Christoph Grupp (Grüne) in böser Erinnerung bleiben. Zunächst versenkte der Stimmbürger die Neugestaltung des Bahnhofplatzes, danach knapp auch eine Umgestaltung des Neumarkplatzes. Zu teuer, unnötig aufwendig und zu autofeindlich seien beide Projekte. Obwohl die Stadt in beiden Fällen mit Millionen von Bund und Kanton unterstützt worden wäre, wurden die «rot-grünen Prestige-Objekte» (Parteijargon SVP) gebodigt. Grupp hatte sich für beide Vorlagen enorm engagiert. Nun seien die Gegner «in der Pflicht».

Vorab beim Bahnhofplatz besteht Handlungsbedarf: Der Platz ist mit Autos und Velos überstellt, bei der Skulptur «Vertschaupet» hocken ebensolche Figuren herum, der Bodenbelag ist ein unebenes Flickwerk und mit eingetretenen Kaugummis übersät. Zu Stosszeiten regelt die Securitas seit Jahren provisorisch den Fussgängerstrom. FDP-Stadtrat Peter Bohnenblust ist der verschmierte Kiosk ein Dorn im Auge: «Dieser sollte schon lange gereinigt werden», fordert er.

Passagen.
Am Bahnhof sind neben der Stadt weitere Akteure wie die SBB oder die Post involviert. Für Biel liegt die Federführung bei der Präsidialdirektion. «Wir werden voraussichtlich 2018 ein neues Projekt aufgleisen», sagt Stadtpräsident Erich Fehr. «Dieses wird mit der städtebaulichen Begleitplanung zur A5 abgestimmt.» Mehr kann Fehr noch nicht sagen; was aus seiner Sicht kommen muss: ein zweite Bahnhofpassage. In der aktuellen Hauptpassage treten sich die Pendler oft auf die Füsse. Da die Perrons wegen der immer längeren Züge nach Osten verlängert wurden, gelangen die Passagiere nicht in der Mitte der wartenden Züge auf die Perrons, der Strom verteilt sich nicht optimal. «Daher braucht es eine Passage im Ostteil des Gebäudes.» Kurzfristiger kann der geschlossene Tunnel der Post auf der Westseite von den SBB ausgebaut und mit Aufgängen versehen werden.

Tunnel.
Der langjährige FDPStadt- und Grossrat Peter Moser ist einer der versiertesten Verkehrspolitiker der Region. Er ärgert sich seit Jahren über die Zustände am Bahnhofplatz. Dieser müsse «in erster Priorität saniert und umgebaut werden». Dazu sei die Planung losgelöst vom gescheiterten Projekt neu zu starten «und zwar von unten nach oben». Der Platz ist mit täglich Zehntausenden Pendlern die wichtigste Verkehrsdrehscheibe der Stadt. Daher müsse auch das Auto in die Planung einbezogen werden, «als Zubringer und Abholer». Moser erinnert dabei an eine Idee, die er vor zwölf Jahren mit Fehr lancierte (dieser sass damals noch im Parlament). Die beiden reichten eine Motion ein, die einen Tunnel unter dem Bahnhofplatz forderte. Moser: «Die Verkehrsströme zwischen Auto und öffentlichem Verkehr müssen getrennt werden.»

Autofrei.
Moser erinnert an die Idee, unter dem Bahnhofplatz ein Parkhaus für Zuund Wegbringer sowie Kurzzeitparkende zu bauen, «also auch für Leute, welche von der Westseite der Stadt her kommen und heute zum Eingang des Bahnhofparkings den Bahnhofplatz queren müssen und so unnützen Verkehr produzieren». Mit dem Argument hoher Kosten für Telefonkabel wurde die Idee seinerzeit verworfen. «Solche Telefonkabel werden heute ja nicht mehr gebraucht.»

Der grüne Stadtrat Urs Scheuss ist nur halb so alt wie Moser, aber in der Verkehrspolitik mindestens so engagiert. Für ihn gibt es nur eine Stossrichtung: «autofrei». Scheuss sieht dies als flankierende Massnahme zum Westast der A5. Wer dies in Frage stelle, «dem geht es offenbar nicht um Verkehrsentlastung in der Innenstadt.»

Jahrhundertprojekt.
SVP-Stadträtin Sandra Schneider gehörte zu den Gegnern des versenkten Projekts. Sie findet: «Der Bahnhofplatz sollte primär seine Funktion als Verkehrsund Umsteige-Knotenpunkt erfüllen.» Die Gestaltung des Platzes könne durchaus optisch attraktiv erfolgen, «sofern die Stadtregierung satte OrangeFarben zulässt …», wie sie mit einem Augenzwinkern ergänzt. «Projekte mit verbannten Autos haben an der Urne keine Chance.»

Einigkeit herrscht in folgendem Punkt: Der Aus- und Umbau des Bahnhofplatzes muss mit dem A5-Westast koordiniert werden, inklusive zusätzliche Bahnhofpassagen. Moser geht langsam die Geduld aus: «Die Neuplanung hätte schon begonnen werden sollen!» Der Bahnhofplatz sei ein Jahrhundertprojekt: «Da dürfen wir nicht zu kleinlich sein.»

Quelle: Hans-Ueli Aebi, BIEL BIENNE

http://bielbienne.com/index.php/die-entstehung.html?file=tl_files/BB.17/BB_13_2017.pdf

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